Größtes Feuerlilien-Vorkommen Brandenburgs bei Hinzdorf bestätigt

Bei einer Kartierung im Juni ist bei Hinzdorf im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg das bislang größte bekannte Vorkommen der wildwachsenden Feuerlilie (Lilium bulbiferum) in Brandenburg offiziell bestätigt worden. Beteiligt waren Fachleute des Landesamtes für Umwelt, des Botanischen Gartens der Universität Potsdam und der Naturwacht Brandenburg sowie Freiwillige. Die Feuerlilie galt in Brandenburg lange als ausgestorben oder verschollen und wird nun als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Die Entdeckung zeigt, dass sich sehr seltene Arten an geeigneten Standorten bis heute halten können. Den entscheidenden Hinweis auf das Vorkommen bei Hinzdorf gab ein Bio-Landwirt aus dem Ort. Auch an anderen Standorten, etwa bei Moor nahe Lenzen und bei Bentwisch nahe Wittenberge, wurde die Kartierung durch Hinweise und Unterstützung aus der Landwirtschaft, von Gartenbesitzenden und Ortskundigen möglich. Solche Hinweise helfen dabei, Reliktvor-kommen zu erkennen, fachlich zu prüfen und geeignete Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Die Feuerlilie fällt durch ihre kräftig orange-roten Blüten auf. Viele kennen ähnlich aussehende Lilien aus Gärten. Bei dem bestätigten Vorkommen bei Hinzdorf handelt es sich jedoch um wildwachsende Feuerlilien. Für den Artenschutz ist diese Unterscheidung wichtig, denn Garten-formen und Zucht-Hybriden sind nicht mit natürlichen oder dauerhaft wild etablierten Vor-kommen gleichzusetzen.

Früher fand die Feuerlilie auf sandigen, eher nährstoffarmen Ackerstandorten gute Bedingungen, vor allem in lichten Getreidebeständen. Dort erhielt sie genug Licht und konnte sich vermehren. Durch intensivere Landnutzung sind viele dieser Lebensräume verschwunden. Bei dicht stehenden, stark gedüngten Beständen kann sich die Art kaum behaupten.

Im Biosphärenreservat wachsen Feuerlilien heute an Feldsäumen, Ackerrändern oder angren-zenden Waldrändern. Dort weisen sie oft auf frühere, extensivere Nutzungsformen hin. Solche Standorte sind auch für andere Arten wertvoll. Seltene Pflanzen wie Lämmersalat oder Ackerschwarzkümmel können dort vorkommen. Auch gefährdete Laufkäfer, Heuschrecken, Reptilien und Arten wie die Knoblauchkröte profitieren von offenen, extensiv genutzten Lebensräumen.

Um die Feuerlilie dauerhaft zu erhalten, sollen an geeigneten Standorten wieder größere Populationen aufgebaut werden. Dadurch sinkt das Risiko, dass ein Vorkommen durch den Verlust einzelner Pflanzen erlischt. In Artenschutzprojekten wird häufig auch darauf geachtet, eine möglichst große genetische Vielfalt zu bewahren. Welche Rolle dies bei der Feuerlilie spielt, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Da sich die Art auch vegetativ über Brutzwiebeln vermehren kann, können Pflanzen eines Bestandes genetisch sehr ähnlich sein. Erst Laboranalysen können zeigen, ob die verbliebenen Bestände genetisch vielfältig sind oder ob es sich überwiegend um genetische Kopien handelt.

Aktuell werden erste Feuerlilien aus der Prignitz im Botanischen Garten der Universität Potsdam zu Erhaltungszwecken nachgezogen. Künftig sollen ausgewählte Brutzwiebeln auch im Außengelände des Besucherinformationszentrums des NABU in Rühstädt ausgebracht werden. Wenn sich dort ein stabiler Bestand entwickelt, kann er als genetische Reserve dienen. Zugleich könnten dort Jungpflanzen gewonnen werden, um Vorkommen in der freien Natur zu unterstützen. Die Entnahme geschützter Pflanzen, Samen oder Zwiebeln bleibt eine Ausnahme und erfolgt nur fachlich begleitet.

Gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben wird geprüft, wie sich Feuerlilien-Standorte erhalten lassen. Möglich sind je nach Fläche zum Beispiel eine späte Mahd nach der Blütezeit, das Beräumen des Mähgutes, eine schonende Pflege von Randstreifen, flache Bodenbearbeitung oder eine extensive Ackernutzung mit geringerer Aussaatstärke. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt vom jeweiligen Standort und der Bewirtschaftung ab.

Die Naturwacht bittet weiterhin um Hinweise auf Feuerlilien im Biosphärenreservat und in der Prignitz. Wichtig sind möglichst genaue Ortsangaben und, wenn möglich, ein Foto der Pflanze. Die Pflanzen dürfen nicht gepflückt, ausgegraben oder umgesetzt werden.

Hintergrund
Das UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg schützt und entwickelt eine vielfältige Kulturlandschaft entlang der Elbe. Das Gebiet verbindet Naturschutz, nachhaltige Landnutzung, Umweltbildung und Regionalentwicklung. Die Naturwacht Brandenburg unterstützt die Schutzgebietsverwaltung unter anderem bei Arten- und Biotopschutz, Monitoring, Umweltbildung und der Betreuung von Besucherinnen und Besuchern.

Pressemitteilung vom 9.7. 2026

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 09.07.2026