Forschung zu klimaangepassten Wäldern im Biosphärenreservat
Im Biosphärenreservat wird in einem kleinen Versuchsgarten bei Klein Lüben untersucht, welche Herkünfte von Rotbuche und Weißtanne mit künftigen Klimabedingungen besser zurechtkommen könnten. Die Fläche ist Teil des europaweiten Forschungsprojekts MyGardenOfTrees.
Auf den ersten Blick wirkt der Versuchsgarten unscheinbar: ein eingezäunter Bereich im Kiefernwald, Moos am Boden, markierte Saatplätze, Schutzgitter und kleine Schilder. Untersucht wird dort jedoch eine wichtige Zukunftsfrage: Welche Baumarten und Herkünfte können dazu beitragen, Wälder langfristig stabiler zu machen, wenn Hitze, Trockenheit und andere Folgen des Klimawandels zunehmen?
Das Biosphärenreservat beteiligt sich mit der Fläche am wissenschaftlichen Projekt MyGardenOfTrees. Das europäische Forschungsprojekt läuft von 2023 bis 2028. Es wird von der Europäischen Kommission unterstützt und von einem Forschungsteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz geleitet. Ziel ist es, das Wachstum und die Regenerationsfähigkeit verschiedener Herkünfte von Rotbuche und Weißtanne in vielen kleinen Versuchsgärten zu beobachten. Die Daten sollen später dazu beitragen, Forstleute bei der Auswahl geeigneter Saatgutquellen zu unterstützen.
Ein Mikrogarten im Kiefern-Blaubeer-Wald
Der Versuchsgarten liegt in einem für die Region typischen Kiefern-Blaubeer-Wald bei Klein Lüben. Der Standort eignet sich deshalb gut, um zu beobachten, wie sich unterschiedliche Herkünfte von Rotbuche und Weißtanne unter den Bedingungen des nordostdeutschen Tieflands entwickeln.
Auf der Fläche wurden vier Quartiere angelegt. In jedem Quartier befinden sich 25 Saatplätze. Dort wurden Samen verschiedener Herkünfte ausgebracht. Die Saatplätze wurden zuvor vorbereitet: Die organische Auflage aus Rohhumus wurde entfernt, damit die Samen direkt auf dem Mineralboden liegen. Ein Zaun schützt die Fläche vor Wild. Zusätzlich sichern kleine Schutzgitter die Saatplätze gegen Fraß durch Vögel und Mäuse. Diese Details sind wichtig, damit am Ende möglichst aussagekräftige Daten entstehen.
Warum Herkunft eine Rolle spielt
Bei MyGardenOfTrees geht es nicht nur um die Frage, ob eine Baumart an einem Standort wächst. Entscheidend ist auch, woher das Saatgut stammt. In der Forstwissenschaft spricht man von Provenienz, also der geografischen Herkunft einer Baumpopulation.
Eine Rotbuche aus einer trockeneren Region kann anders auf Hitze reagieren als eine Rotbuche aus einer kühleren oder feuchteren Region. Gleiches gilt für die Weißtanne. Das Projekt vergleicht deshalb verschiedene Herkünfte unter unterschiedlichen Standortbedingungen in Europa. So soll sichtbar werden, welche Herkünfte unter welchen Umweltbedingungen besonders widerstandsfähig sind.
Europaweit wurden im Rahmen der Versuchsreihe mehr als 300 solcher Mikrogärten angelegt. Jeder Mikrogarten besteht aus 100 Saatplätzen. An jedem Saatplatz werden Samen einer genau festgelegten Herkunft ausgebracht.
Weißtanne und Rotbuche: zwei Arten im Vergleich
Die Rotbuche ist in vielen mitteleuropäischen Wäldern eine prägende Baumart. Auch die Weißtanne wird in der Diskussion um klimaangepasste Wälder häufig genannt. Sie gilt als schattentolerant und kann sich gut unter dem Schirm älterer Bäume entwickeln. Das macht sie für den Waldumbau interessant, wenn unter bestehenden Beständen eine neue Waldgeneration entstehen soll.
Im Biosphärenreservat ist die Weißtanne keine typische Baumart der heutigen Landschaft. Gerade deshalb ist der Versuch fachlich interessant: Er kann Hinweise darauf geben, ob und wie sich die Art unter den Bedingungen des nordostdeutschen Tieflands etablieren könnte. Dabei geht es nicht um schnelle Entscheidungen, sondern um sorgfältige Beobachtungen über mehrere Jahre.
Beobachten, dokumentieren, vergleichen
Die Arbeit im Versuchsgarten endet nicht mit der Aussaat. Etwa alle 14 Tage wird kontrolliert, was auf den Saatplätzen passiert. Die Mitarbeitenden erfassen, ob Samen gekeimt sind, wie sich die jungen Pflanzen entwickeln und ob einzelne Keimlinge ausfallen. Auch Fotos gehören zur Dokumentation.
Die Beobachtungen werden mithilfe einer Projekt-App erfasst. So lassen sich die Daten aus dem Biosphärenreservat später mit den Ergebnissen aus anderen Mikrogärten in Europa vergleichen. Erst die große Zahl an Standorten macht es möglich, lokale Besonderheiten einzuordnen. Denn schon innerhalb einer kleinen Fläche können Unterschiede entstehen: Ein Saatplatz liegt stärker in der Sonne, ein anderer ist durch einen Baum beschattet; an einer Stelle ist der Boden etwas feuchter, an anderer Stelle trockener.
Diese Unterschiede sind Teil der wissenschaftlichen Herausforderung. Einzelne Beobachtungen können Zufall sein. Viele Beobachtungen über viele Standorte hinweg ergeben jedoch ein belastbareres Bild.
Trockenheit beeinflusst junge Bäume früh
Schon in der frühen Phase des Versuchs wird deutlich, wie anspruchsvoll die Bedingungen für junge Bäume sein können. Trockenheit kann Keimlinge schnell schwächen oder absterben lassen. Solche Beobachtungen sind für das Projekt wichtig. Denn klimaresiliente Wälder entstehen nicht auf dem Papier, sondern durch das Verständnis realer Standortbedingungen.
Der Versuch bei Klein Lüben liefert damit einen kleinen Beitrag zu einer großen europäischen Datengrundlage. Die Ergebnisse werden nicht sofort vorliegen. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt. Mit jeder Beobachtung wächst jedoch das Wissen darüber, welche Baumarten und Herkünfte künftig eine Rolle spielen könnten.
Beitrag aus dem Biosphärenreservat
Biosphärenreservate sind Modellregionen für das Zusammenleben von Mensch und Natur. Dazu gehört auch die Frage, wie Wälder erhalten, entwickelt und an veränderte Klimabedingungen angepasst werden können. Die Teilnahme an MyGardenOfTrees verbindet praktische Arbeit vor Ort mit europäischer Forschung.
Der Mikrogarten bei Klein Lüben ist damit mehr als eine eingezäunte Versuchsfläche im Wald. Er ist ein kleines Freilandlabor. Hier wird sichtbar, dass Waldentwicklung Geduld braucht und dass Antworten auf Zukunftsfragen oft mit kleinen Schritten beginnen: mit Samen, Schutzgittern, regelmäßigen Beobachtungen und sorgfältiger Dokumentation.
Gebiet
- Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
Meldung vom 29.04.2026
