Ranger bereiten Wiesenbrüterschutz im Naturpark Westhavelland vor

Havelaue. Wer derzeit in der weiten Landschaft des Westhavellands unterwegs ist, kann sie kaum übersehen: die Kiebitze sind zurück aus dem Winterquartier und halten bereits Ausschau nach den besten Brutgebieten. Mitte bis Ende März starten die Wiesenbrüter in die neue Brutsaison. Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht im Naturpark Westhavelland sowie die Naturparkverwaltung erwarten den Saisonbeginn mit großer Hoffnung – und mit einem wichtigen neuen Schutzinstrument. Erstmals setzen sie einen festen Zaun gegen Fuchs, Waschbär und Marderhund in der Großen Grabenniederung ein, um die Gelege von stark gefährdeten Wiesenbrütern wie Kiebitz, Rotschenkel oder Bekassine zu schützen.

Wiesenbrüter brauchen sichere Brutplätze

Wiesenbrüter gehören zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten Brandenburgs. Sie legen ihre Nester auf offenen Wiesen an. Werden ihre Eier und Küken von Fressfeinden wie Fuchs oder Waschbär entdeckt, sind sie leichte Beute. Auswertungen von Nestkameras bestätigen, dass diese beiden Arten die meisten Verluste verursachen. Besonders problematisch für die Wiesenbrüter ist, dass diese Raubsäuger in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen haben. Die Fuchspopulation ist seit der Tollwut-Immunisierung in den 1990er Jahren bei guter Gesundheit und damit dauerhaft auf einem hohen Niveau. Vor der Impfung sorgten tollwutbedingte Einbrüche bei der Fuchspopulation für mehr Bruterfolg bei den Wiesenbrütern und damit für Bestandserholung. Diese Wechselwirkung gibt es nun nicht mehr. Die ursprünglich aus Pelzfarmen entlaufenen Waschbären sorgen zudem als invasive nordamerikanische Räuber für zusätzlichen Fraßdruck bei den Wiesenbrütern, auf den diese evolutionär nicht eingestellt sind. 

36 Hektar Schutzfläche durch neuen Zaun

Damit die Vögel bessere Chancen für die Aufzucht ihrer Jungen haben, setzen die Ranger in diesem Jahr erstmals einen großflächigen Schutzzaun gegen die Raubsäuger ein. Er umschließt rund 36 Hektar extensiv genutztes Grünland in der Großen Grabenniederung, einem zentralen Bereich des Naturschutzgebiets Untere Havel Nord im Naturpark Westhavelland. Der Naturschutzfonds Brandenburg hat den Schutzzaun finanziert und die Planung unterstützt. Die Maßnahme findet in enger Abstimmung mit einem örtlichen Landwirt und der Jägerschaft statt. Der NABU-Regionalverband Westhavelland hilft bei der Betreuung.

Der Zaun soll verhindern, dass Füchse und Waschbären in das Brutgebiet eindringen. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Wiesenbrütern einen sicheren Ort zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen schaffen, die in den ersten Wochen noch nicht davon fliegen können, wenn Gefahr droht“, erklärt Ranger Thomas Klinner.

Hoffnung nach seltenem Brutnachweis im Jahr 2025

Die Erfahrungen des vergangenen Jahres zeigen, wie dringend solche Schutzmaßnahmen nötig sind. 2025 entdeckten die Ranger eine echte Sensation: Eine Uferschnepfe brütete in der Großen Grabenniederung – die einzige Brut dieser Art in Brandenburg und die erste seit elf Jahren im Gebiet. Trotz der großen Freude blieb der Erfolg aus. Wie viele andere Gelege – darunter auch viele Bruten des Kiebitzes – ging auch dieses durch Prädation verloren. 

Der neue Schutzzaun soll nun dafür sorgen, dass seltene Wiesenbrüter im Gebiet wieder erfolgreich Junge großziehen können. Die Akteure blicken daher optimistisch in die kommende Saison und hoffen auf stabile oder sogar wachsende Bestände.

Quelle: Naturwacht Westhavelland (Pressemitteilung 10.03.2026)

 

 

 

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Meldung vom 10.03.2026