Jetzt Lehren aus der Dürreperiode ziehen – Dr. Martin Flade über Möglichkeiten, die Landschaft vor der Austrocknung zu bewahren

Die anhaltende Trockenheit, die sieben Wochen zu früh einsetzende Laubverfärbung und die extrem niedrigen Wasserstände der meisten Seen beunruhigen viele Menschen im Biosphärenreservat. Jedoch lassen sich die Auswirkungen solcher Witterungsextreme begrenzen, wenn nach ausreichenden Niederschlägen das Wasser in der Landschaft systematisch gehalten werde, so Dr. Martin Flade, Leiter des UNESCO Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin.

In vielen Teilen des Biosphärenreservats ist es offensichtlich: Die anhaltende Sommertrockenheit hat zum starken Abfallen der Wasserstände in vielen Seen und zum Austrocknen der meisten Fließgewässer, Kleingewässer und Moore geführt. Die herbstliche Laubfärbung der Buchenwälder setzt jetzt schon ein, also 6-7 Wochen früher als üblich, und die Landwirte haben Sorgen, ausreichend Futter für den Viehbestand zu ernten, weil Grünland und Kleegras kaum noch wachsen. Dabei sei es gar nicht so sehr die Witterung der vergangenen Monate, sondern vor allem das Defizit aus dem sehr trockenen Vorjahr und dem schneearmen Winter, das der Landschaft und ihren Bewohnern jetzt zu schaffen mache, so der Leiter des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin Dr. Martin Flade. Das Besorgniserregende sei zudem, dass solche trocken-heißen Wetterlagen im Zuge des Klimawandels in Zukunft häufiger als bisher zu erwarten sind.

Jedoch sei man den Witterungsextremen nicht ganz hilflos ausgesetzt, so Flade. Die Jungmoränenlandschaft des Biosphärenreservats sei von Grundwasser und dem weitgehenden Fehlen von natürlichen Fließgewässern geprägt. Die meisten Seen und Moore seien hauptsächlich grundwassergespeist. Oberirdische Fließgewässer in der Region seien überwiegend künstlich geschaffen und täuschten eine hohe Wasserverfügbarkeit vor. „Fließgewässer können jedoch nicht als Speicher fungieren – sie führen Wasser ab, nicht zu!“, so Flade. Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin bestünden jedoch sehr gute Voraussetzungen, da Grundwasserleiter, Seen, Kleingewässer und Moore zahlreich und bedeutend als natürliche Speicher vorhanden sind. Über Wasserrückhalt an der Oberfläche, indem zum Beispiel künstliche Entwässerungen von Mooren und künstliche Abflüsse von Seen zurückgebaut oder mit Sohlschwellen vermindert werden, könnten die Grundwasserspeicher langfristig aufgefüllt und damit das Austrocknen der landwirtschaftlichen Böden und Feuchtgebiete verzögert werden.

„Wenn die Landwirte in niederschlagsreichen Jahren vorübergehende Teilvernässungen in Kauf nehmen, ist der örtliche Schaden mit Sicherheit geringer als die Summe der Schäden, die durch das zu starke Absinken der Grundwasserstände und Austrocknung großer Gebiete in Dürreperioden eintreten“, so Flade. Es gelte, alle Möglichkeiten, Wasser in der Landschaft zu halten, konsequent zu nutzen. Vor allem müsse das Wasser dann gehalten werden, wenn viel davon da sei. Denn wenn es erst einmal aus der Landschaft abgeführt ist, nützten auch keine Staumaßnahmen mehr. „Gewässerbewirtschaftung kann nur erfolgreich sein, wenn sie vorausschauend in den niederschlagsreichen Perioden praktiziert wird.“ Die Wasser- und Bodenverbände im Biosphärenreservat hätten sich in den letzten Jahren hier als kompetente und initiative Partner erwiesen Im Mittel sind die Grundwasserstände der letzte 25 Jahre zwar gleichbleibend - allerdings schwanken sie stärker. „Wenn wir uns endlich als weitsichtige Nutzer der Wasserressourcen begreifen, können wir uns gut auf die Schwankungen einstellen“, so Flade..

Eine weitere wichtige Handlungsmöglichkeit bestünde darin, zügig Nadelholzforste in Laubwälder umzubauen, wie es im Landeswald auch seit geraumer Zeit geschehe. Unter Laubwald sei die Grundwasserneubildung wesentlich höher als unter Nadelwald. So haben beispielsweise Kiefernbestände unter hiesigen Klimabedingungen eine negative, Buchenwälder dagegen eine positive Wasserbilanz. Moore und Seen in Laubwäldern seien viel weniger von Dürreperioden betroffen als solche in Nadelholzforsten, wie beispielsweise der Buchenwald Grumsin im Vergleich zur Schorfheide nördlich Gr. Schönebeck anschaulich zeige.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Meldung vom 05.09.2019