Summen und Brummen im Hauptinformationszentrum Blumberger Mühle

Eine ganze Woche rund um Honig, Bienenarten, Imkern, Bestäubung und Naturschutz in der Blumberger Mühle

Der berühmte Geigenbauer Antonio Stradivari verwendete vor 300 Jahren das Harz der Bienen als Lack für seine in aller Welt geschätzten Musikinstrumente. Es ist mehr als Honig und Blütenbestäubung, der diese kleinen Insekten so wertvoll macht. Das NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle widmete deshalb eine ganze Woche mit Vorträgen, Praxisseminar, Film und Familientag den Bienen.

Spannendes berichtete Dr. Jens Radke (Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V.) in seinem Vortrag. Täglich legt eine Bienenkönigin bis zu 2000 Eier, allein das Gewicht von 1000 Eiern entspricht ihrem eigenen Körpergewicht. In nur 6 Tagen wachsen aus diesen die Bienen, vergleicht man diese Wuchsleistung mit der eines menschlichen Babies, dann müsste es in der gleichen Zeit zu einem Elefanten von 5 Tonnen heranwachsen. Die Bienen benötigen in ihrem Stock deshalb ausreichend Nahrung, viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe, die sie aus Pollen gewinnen. Etwa 70 Prozent des gesammelten Honigs lässt deshalb ein Imker als Futter seinen Bienen, nur 30 Prozent des Honigs entnimmt er. In dieser auch für den Menschen köstlichen Produkt stecken über 180 verschiedenen Inhaltstoffe, die nicht nur für unsere Ernährung, sondern auch für unsere Gesundheit wichtig sind. Honig ist ein bewährtes Heilmittel wie übrigens auch Bienengift. So schmerzhaft ein Stich ist, er kurbelt für Gelenke und Muskulatur die Durchblutung an und hilft Giftstoffe aus dem Körper auszuspülen.

Blühende Wiesen und Gärten sind übrigens nicht nur für Bienen, sondern auch für Allergiker gut. Deren Blütenpollen werden allein durch die Arbeit der Bienen weitergereicht. Durch die Luft  fliegen nur die Pollen der Windbestäuber (Gräser oder Koniferen), die in Vorgärten heute oftmals Blumen ersetzen. Blühende Rapsfelder bilden ein zu kurzes Zeitfenster, um Bienen jederzeit mit ausreichend Pollen zu versorgen, wichtig sind an vielen Orten und das ganze Jahr über sich abwechselnde Blühpflanzen, damit jederzeit genügend Nahrung vorhanden ist.  Denn für nur ein einziges Glas Honig müssen die fleißigen Honigbienen 3 Millionen Blüten besuchen.

Unser Honiglieferant, eine Zuchtbiene, ist dabei nur eine der vielen Bienenarten, wie Dr. Rotraut Gille (NABU-Regionalverband Schwedt) in ihrem aufschlussreichen Vortrag erklärte. Überwiegend kommt die Biene als Wildbiene vor, nicht im Stock lebend sondern solitär. Sie nistet in Mauern oder Sand, nutzt vorhanden Höhlen oder baut sich welche. Insgesamt gibt es in Deutschland über 500 Wildbienenarten und 42 Gattungen, darunter mit so schön klingenden Namen wie Glanz-, Hosen-, Trauer-, Filz- oder Zweizahnbienen. Von ihnen bekommen wir zwar keinen Honig ab, aber ohne ihre Bestäubungsleistung würden wir weniger als 12 Prozent Birnen oder weniger als 40 Prozent Kirschen ernten. Über „Das leise Sterben der Bienen und Schmetterlinge“ informierte der gleichnamige und faktenreiche Dokumentarfilm, den Sebastian Sommerschuh von der Ökofilmtour mitgebracht hatte. Wie können wir den Bienen helfen? Indem wir mehr Natur zulassen, auch wenn es zunächst unserem Ordnungssinn widerspricht: weniger oft die Wiesen mähen, mehr Blühpflanzen ansiedeln, städtische Grünflächen pflegen, Blumen mit gefüllten Blüten meiden (hier kommen die Bienen nicht an die Pollen!), weniger Mineraldünger und Gülle auf den Wiesen ausbringen, Insektizide und Pestizide vermeiden (verteilen sich bis zu 2 km weit!), Wildkräuter zulassen – es gibt viele Ansatzpunkte für Jedermann!

Gebiet

  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin