Neue Heimat für Dohlen - die Dorfkirche Wandlitz vermietet jetzt unter!

Seit kurzem herrscht rund um den Turm der evangelischen Kirche im Dorfkern Wandlitz rege Geschäftigkeit! Immer wieder fliegen Dohlen zum Füttern der Jungen die Brutplätze im Kirchturm an. Das charakteristische „kak jack tschaak“ der ruffreudigen Vögel ist überall zu hören. Dohlen sind Höhlenbrüter und hat sich ein Weibchen erst einmal für ein Männchen entschieden, dann bleiben sie lebenslang zusammen und ziehen ihre Jungen gemeinsam auf.

Es ist der 21. Mai 2018. Im Inneren des Kirchturms steigen Andre` Hallau vom Naturschutzbund und Volker Keuchel von der Naturparkverwaltung des Naturparks Barnim leise den Turm hinauf. Deutlich sind hier nicht nur die Rufe der Altvögel, sondern auch das erregte Gewisper der Jungvögel, die das eingebrachte Futter gierig aufnehmen, zu hören. Die beiden sind zur Kontrolle und Beringung der Jungvögel im Einsatz. Heute wird sich zeigen, was die Hauruckaktion im März hier für Früchte trägt! Denn erfreulicherweise hatten im zeitigen Frühjahr deutlich mehr dieser kleinen, sympathischen Rabenvögel versucht, eine der begehrten Nistmöglichkeiten im Kirchturm zu erlangen, als in den Vorjahren.

Aufmerksamen Beobachtern aus den Reihen der Kirchengemeinde fiel dies auf! Schnell und unkompliziert war sich der Gemeindekirchenrat einig: „Hier müssen wir helfen! Unsere Kirche kann und soll eine Arche sein!“ Den Kontakt zum Naturschutzbund und zur Naturparkverwaltung nahm Frau Rosenberg auf. Zur großen Freude aller waren nach wenigen Tagen vier Dohlenkästen gebaut und im Kirchturm installiert.

Nun die erste Kontrolle! Eine gute Stunde später sind die beiden wieder unten vor der Kirche – zufrieden, auch wenn das Ergebnis ernüchtern ist! Insgesamt konnten acht Jungvögel aus insgesamt sieben Nestern beringt werden. Davon jeweils zwei in den drei schon in den letzten Jahren genutzten Brutmöglichkeiten - eine im Turmfalkenkasten, zwei in Ecknischen des Turmes, an denen baulich vorhandene Einstiegslöcher durch die intelligenten Vögel genutzt werden. Von den vier neuen Kästen waren erfreulicher Weise alle vier belegt. Ein sehr gutes Zeichen! In zweien waren je ein Ei und ein extrem kleiner Jungvogel, in den zwei anderen ein jeweils normal großer und ein extrem kleiner Jungvogel zu registrieren. Nachdenklich stimmt die insgesamt geringe Zahl von Jungvögeln. Dohlen legen in der Regel vier bis sechs Eier pro Gelege. Erst ab einem Durchschnitt von über drei ausgeflogenen Jungvögeln kann eine Population dieser sehr eng an den Menschen gebundenen Art auf Dauer überleben. Da die Felder und Wiesen im Dorf und der näheren Umgebung von heimischen BIO-Betrieben bewirtschaftet werden, scheinen Pestizide, wie in anderen Gebieten, nicht das direkte Problem zu sein. Dohlen brauchen Flächen auf denen ihre für die Jungenaufzucht benötigten Insekten reichlich vorhanden sind. Wichtig für die Dohlen, aber auch andere Vogelarten, sind Brachen, extensiv genutztes Dauergrünland, nur ein- bis zweimal jährlich gemähte Wiesen und naturnahe Gärten. Eine große Rolle können hier entsprechend bewirtschaftete öffentliche Flächen spielen. Nicht zu vergessen ist, dass mit jeder bebauten oder versiegelten Fläche natürlich auch immer ein Stück Lebens- und Nahrungsraum verloren geht.

Trotz alledem bleibt aber hervorzuheben, dass die „Turmkrähe“, wie unsere Dohle seit alters her auch im Volksmund genannt wird, insgesamt eine leicht positive Entwicklung in ihren Bestandszahlen nimmt. Und wer weiß, vielleicht können wir in der schönen Dorfkirche Wandlitz in ein paar Jahren noch mehr Kästen einbauen! Die Kirchgemeinde Wandlitz und alle Beteiligten freuen sich schon darauf!

Gebiet

  • Naturpark Barnim

Meldung vom 08.06.2018